Ogi Nuur

"see the world with your own eyes"

Berichte meiner Mongolei Fahrradtour 2003

17. Tag Arvaykheer - Uldsijt

So wie ich es schon beim Besuch der Stadt Tzetzerleg gemacht habe, gehe ich es auch diesmal wieder an. Früh nach Arvaykheer hinein fahren. Die Stadt ansehen und dann auf der Hauptstraße in Richtung Ulaan Baatar ein gutes Stück von der Stadt weg.

Nach gut 2 Stunden Besichtigung bin ich wieder raus aus Arvaykheer.

Es ist ein herrlicher Tag. Die Asphaltstraße lässt sich problemlos fahren und ich komme gut voran. Es ist schon etwas später, als rechter Hand der Straße ein kleiner See auftaucht. Um den See herum einige verstreute Jurten und am anderen Ende des Sees ein kleines Dorf.

Die Entfernung des Sees zur Straße ist ungefähr 3-4km. Dieser Platz ist somit gut zum zelten eignet. Ich baue mein Zelt zwischen 2 Jurten auf. Das klingt jetzt so als stünden die Jurten 2m weiter. In Wirklichkeit sind sie gut 400m entfernt. Da das für mongolische Verhältnisse nicht sehr weit ist, dauert es auch nicht lang und ich habe eine Einladung zum Essen.

Diesmal sind Mutter, Vater, Tochter und Großmutter in der Jurte versammelt. Es gibt Airag (gegorene Stutenmilch) und Buuds (mit Fleisch gefüllte Teigtaschen). Vor dem Airag hatten mich schon einige Leute gewarnt. Ich halte mich damit auch sehr zurück, schmeckt ja auch ungewohnt, sehr sauer. Nach etwa einer Stunde verlasse ich meine Nachbarn wieder. Die Sonne geht unter und ich lege mich schlafen.

Mitten in der Nacht wache ich auf. Schweiß auf der Stirn und nur ein Gedanke, jetzt muss ich schnell sein. Toilettenpapier gegriffen, Schuhe angezogen und raus auf die Wiese. Puh, gerade noch mal geschafft. Nachdem das überstanden war, komme ich ins grübeln. Hier ist jetzt irgendwas komisch. Wo ist mein Zelt?

Im Eifer des Gefechtes habe ich mich wohl zu weit vom Zelt entfernt. Es ist einfach nur Dunkel und ich sehe nichts. Eine Taschenlampe wäre jetzt die Lösung... Pech, die besitzt ja jetzt ein Mongolenkind in Kharkorin und wer nimmt schon sein GPS mit auf Toilette!

So versuche ich vergeblich das Zelt strategisch einzukreisen. Der Mond scheint zu schwach. Das einzige was vielleicht helfen würde wäre Tageslicht. Es sind nicht einmal Konturen zu erkennen, da das Gebiet in einer großen Senke liegt. Pech nur, dass mit dem Sonnenaufgang frühestens in 3-4 Stunden zu rechnen ist.

So stehe ich da. Nur mit Fleecepulli, Regenhose und Wanderschuhen bekleidet. Ich versuche mich irgendwie gegen die Kälte zu schützen. Später im Zelt habe ich auf das Thermometer geschaut. Es waren verdammte 0 Grad.

Irgendwann ging die Sonne dann doch auf und ich suche mein Zelt. Durch das umherlaufen war ich ungefähr 700m!! vom Zelt entfernt. So viel zum Orientierungssinn.

Nun aber fix ins Zelt. Genial warm im Schlafsack. Man lernt doch nie aus.