Mals

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Berichte meiner Frachtschifftour 2015

11.06.2015 - 3. Tag

Ich wache so gegen 7 Uhr auf. Also gemütlich ins Bad und dann eine kleine Runde über das Deck gelaufen. Wir fahren gerade an Gasplattformen vorbei. Kurz vor 8 Uhr dann Frühstück. Zeiten müssen eingehalten werden.

Der holländische Lotse ist schon eine Weile an Board. Auf der Brücke geht es entspannt zu. Ich glaubte immer der Lotse gibt nur die Kommandos, aber nein, er übernimmt komplett das "Ruder".

Dies war mir so nicht mehr in Erinnerung. Da dies aber in Hamburg auch schon so war, wird es wohl so sein. Auch diese Herren sind wirklich locker drauf und beantworten - wenn gerade Zeit ist - so manche Fragen. In der Elbe wechselten die Lotsen 3-mal. Hier nach Rotterdam gibt es keinen Wechsel.

Gleich am Anfang geht es am echt riesigen Container Terminal von Maersk vorbei, welches auch gerade erweitert wird. Wir tuckern aber weiter die Mündung rauf und kommen an den verschiedensten Bereichen vorbei.

Links ein Fährterminal, dann eine interessante Art eines Sperrwerks. Vorbei an diversen Spezialschiffen, wie einem Transporter für Bohrplattformen. Dann eine Werft, welche wohl Plattformen zusammen baut. Es ragen hohe Gittermasten empor. Dann noch eine Werft mit Trockendocks. Dazwischen immer wieder kleine Binnenfrachter, welche wie kleine Ameisen zwischen den einzelnen Terminals hin und her wuseln.

Nach einer Weile laufen wir dann in unser Terminal ein. Dies hat einen Bereich für solche Schiffe wie unseres und daneben auch einen für die kleinen Binnenschiff Ameisen. Wir machen Backboards fest.

Dieses Terminal ist etwas anders als in Hamburg. Hier werden die Container von diesen hohen Transportern hin und her gefahren, welche mich irgendwie an Giraffen erinnern.

Diese können bis zu 4 Container übereinander stapeln. Die Technik der Transporter ist interessant. Letztendlich werden diese Transporter nur von Elektromotoren angetrieben, welche ihren Strom von einer Art Notstrom Generator erhalten. Das Konstrukt sieht recht simpel aus. Wie die so über das Gelände fahren, kommen bei mir Zweifel, ob es hier nicht doch ab und zu mal Kracht.

Gegen 12 Uhr beginnt das Abladen unseres Schiffes. Es geht zügig voran. Schnell sind die oberen Container weg und es wird aus den Lugen abgeladen. Chief Engineer Roberto hatte uns zum Frühstück schon gesagt, dass heute auch wieder Treibstoff gebunkert wird. Oil (Schweröl) und Gas Oil (Diesel).

Mittlerweile ist es so, dass der komplette Bereich in Küstennähe und auch der Ärmelkanal nur noch mit Gas Oil befahren werden darf. Was die Sache natürlich auch gut verteuert.

1 Tonne Gas Oil kostet wohl so um die 1000 US$, dagegen 1 Tonne Oil nur um die 400 US$. Das ist schon eine Nummer, wenn man bedenkt, das dieses Schiff mehrere Tonnen pro Tag verbrennt. Durch diese Vorgaben mussten sogar Änderungen am Schiff gemacht werden, da die Kapazität für Gas Oil so nicht vorgesehen war.

Das Wetter ist Bestens, so kann man dem Ent- und Beladen entspannt von der Brücke oder den anderen Decks zuschauen. Da der Hauptdiesel nicht läuft, kommen auch keine Rauchschwaden über die Decks gezogen.

Am Abend parkt dann ein etwas größeres Schiff hinter uns ein. Der Bug ist fast zum greifen nahe. Für uns soll es so gegen Mitternacht wieder los gehen. Einige Bilder vom Sonnenuntergang im Hafen gemacht.

Es schwammen - wo auch immer die herkamen - plötzlich 3 Schwäne am Schiff vorbei.

Gegen 23 Uhr verabschiede ich mich dann aber von der Brücke. Ich muss wohl gleich eingeschlafen sein, denn das Ablegen habe ich nicht mehr mitbekommen. Erst gegen 3 Uhr bekam ich mit, dass wir wieder unterwegs sind.