Ogi Nuur

"see the world with your own eyes"

Berichte meiner Frachtschifftour 2015

09.06.2015 - 1. Tag

Ich bin pünktlich am Bahnhof, eher überpünktlich. Am Bahnsteig steht aber noch ein anderer Zug. So warte ich ein wenig bis der Nachtzug einrollt.

Der Zug fährt ein und dann die Überraschung. Wagen 28 - mein Waggon - sieht nicht wie ein Schlafwagen aus. Die nette Zugbegleiterin hat sodann auch schon die schlechte Nachricht.

Es gibt keinen Schlafwagen für mich. Der eigentliche Waggon stehe noch in Berlin und sei mit der letzten Fahrt wohl nicht mitgekommen. Ich müsse jetzt im Liegewagen Platz nehmen.

Och nee! Zumindest habe ich das 6er Abteil des Liegewagens für mich allein. Aber Bett ist es halt keines.

Es sollte doch entspannt losgehen und dazu gehört nun mittlerweile unbedingt Schlaf in bequemer horizontaler Lage. Der Plan war, anstatt tagsüber zu fahren und eine Nacht im Hamburg zu verbringen, die Nacht optimiert im Zug zu nutzen.

Die Zugbegleiterin gibt sich aber echt Mühe und versucht das Problem so unkompliziert wie möglich zu lösen.

Zumindest geht es pünktlich los. Ich richte mich ein und mache das Bett. Die Zugbegleiterin gibt mir noch den Tipp, die Liege mit Hilfe der reichlich zur Verfügung stehenden Decken zu polstern. Ich liege dann auch schon 23 Uhr im "Bett". Es ist doch lauter als erwartet. So döse ich vor mich hin.

Gegen 23:30 Uhr bremste der Zug auf einmal heftig und wir standen auf freier Strecke. Mir schwante schon übles und ich ging gedanklich schon mal die bekanntesten Varianten der Verspätungsgründe der Deutschen Bahn durch. Nach gut 15 Minuten ging es aber weiter, was auch immer da war.

Da ich am nächsten Morgen zwischen 9-10 Uhr am Schiff sein sollte, bliebe nicht mehr viel Luft für Eskapaden der Deutschen Bahn, denn der Zug sollte nach Plan 7:55 Uhr in Hamburg ankommen.

So geht es nun los.
Wie wird es wohl werden? Sollte man etwas wiederholen? Fängt man nicht unweigerlich an Altes und Neues zu vergleichen?

Egal! Mit der Einstellung im Hinterkopf - Es ist mal wieder Zeit komplett unvoreingenommen seine alltägliche Umgebung für ein paar Tage komplett zu verlassen - kann eigentlich nichts von all dem passieren.

Irgendwie schlafe ich dann immer mal so für 1-2 Stunden. Ein Tiefschlaf ist das aber nicht. Da die Vorhänge das Fenster und die Tür gut verdecken, bekomme ich den Sonnenaufgang so nicht mit. Gegen 5 Uhr klopft es an meinem Abteil. Die Zugbegleiterin weckt mich?

Fragte mich nur, warum jetzt schon! Hatte ich doch bis Hamburg noch 3 Stunden Zeit. So trödle ich vor mich hin.

Eine 1/2 Stunde später kommt Sie kleinlaut bei mir vorbei. Durch das ganze Theater mit dem Ersatzwaggon, hatte Sie sich beim Wecken im Abteil vertan. Eigentlich will der Herr aus dem Nachbarabteil in Hannover raus.

Den Fehler macht Sie aber mit prompter Lieferung des Morgenkaffees und Frühstückspaketes wieder gut. Sie hat mich zumindest nicht komplett geweckt, da ich ja eh nur vor mich hin döste.