Nyksund

"see the world with your own eyes"

21.02.2008 - Nach Villa O'Higgins

Im Vorfeld hatte ich von anderen Radlern schon ausreichend Informationen bekommen, wie man nach Villa O'Higgins - dem Startpunkt der Carretera Austral - gelangt.

So wusste ich, dass es vom "Lago del Desierto" bis zur chilenischen Grenze nur einen 7km langen Wanderweg gab und der bergauf führte.

Die Infos reichten aber von "nimm Dir am besten ein Pferd für das Gepäck" bis "es gibt da paar Stellen, die etwas beschwerlich sind"

Daraus konnte ich mir nun meine eigene Meinung bilden und letztendlich sagte ich mir "Das machen mittlerweile so viele Leute, da kann es doch nicht so schwer sein!".

So stand ich am Morgen - nach einer Nacht am Nordufer des "Lago del Desierto" - vor einem Pfad, welcher im dichtem Gestrüpp verschwand und wenn man weiter nach oben schaute, dort igrendwo in Richtung Grenze gehen musste.

Die erste Stunde des "Wanderns" war wirklich die Härteste. Der Weg war so schmal, ausgetreten und steil noch dazu, dass ich Teilstücke 2-3 mal laufen musste. Das Schieben des Rades mit Gepäck war einfach nicht möglich. Ich musste Rad und Gepäck einzeln transportieren. Dabei hatte ich schon das Zelt und die Lenkertasche im Rucksack auf dem Rücken. Sonst hätte ich noch mehr Einzelteile zu schleppen gehabt.

Als es später etwas flacher wurde, war das Schieben des Rades aber immer noch beschwerlich. Das Rad und ich passten zusammen nicht wirklich in den teilweise einen halben Meter tief ausgetretenen Weg und auf beiden Seiten war zu allem Übel noch der dornige Calafate Strauch.

Dann folgten noch Baumstämme und diverse kleine Schlammstellen. Nach 3 Stunden des Schiebens und Tragens war die Grenze erreicht und der weitere Weg sollte leichter sein.

Man konnte die alte Armeestrasse relativ gut fahren, zumal es fast nur noch bergab ging. Ein Hinderniss gab es aber noch. An einem Fluss war die Brücke eingefallen. Zumindest gab es aber ein paar wackelige Holzbretter, die über den Fluss führten.

Nach insgesamt über 6 Stunden erreichte ich Candelario Mancilla. Ist nichts weiter als die chilenische Grenzstation und ein Campo. Da konnte man zelten und etwas Verpflegung bekam man auch zu kaufen.

Ich war echt überrascht, da ich mit weit weniger "Infrastruktur" gerechnet hatte. So waren die Mahlzeiten der folgenden 2 Tage doch vielfälltiger als gedacht. Ansonsten hätte es nur Haferflocken und Spagetti mit Tomatensosse gegeben. Was für ein Luxus. Frisches Brot und hausgemachte Marmelade geniesen zu dürfen.

Da es so langsam dem Ende der Saison entgegen ging, verkehrte das Boot nach Villa O'Higgings nur noch 2 mal die Woche und ich musste bis Samstag 2 Tage warten. Die Wiese - welche als Zeltplatz diente - füllte sich so langsam.

Neben den Rucksacktouristen waren noch 2 Radler dabei. Martina und Björn kamen ebenfalls "über den Berg" und wollten auch Richtung Norden weiter. Das Wetter blieb schön und so verging die Zeit recht schnell. Meist mit rumliegen, etwas reden und Essen.

Das Boot nach Villa O'Higgings war keine richtige Fähre. Es war ein Touristenboot, welches nur im Sommer verkehrt. Es machte auf dem Weg zu verschiedenen Gletschern nur in Candelario Mancilla Halt, weil mittlerweile viele Touristen den Weg über die Grenze machten.

Bei bestem Wetter wurde der See "Lago O'Higgins" oder "San Martin" wie er auf der argentinischen Seite heisst - warum auch immer, es ist das selbe Wasser!!! - überquert und gegen 19 Uhr Villa O'Higgins erreicht. Zu meiner Überraschung lag der Hafen 7km vom Ort entfernt. Zum Schluss des Tages sogar nochmal Radfahren.

Da war ich nun am südlichsten Startpunkt der Carretera Austral. Und wenn man bedenkt das Villa O'Higgings erst seit dem Jahre 2000 per Strasse erreichbar ist, kann man sich wohl vorstellen, warum das so ist. Es hat viele Berge.