Stamsund

"see the world with your own eyes"

10. Tag Chotont - Tzetzerleg

Nach dem schon fast zur Gewohnheit gewordenen morgendlichen Besuch eines Nomaden mache ich mich gegen 10 Uhr wieder auf den Weg.

Vorbei an Getreidefeldern erreiche ich die Hauptpiste Kharkorin - Tzetzerleg. Die Piste ist breit, wenig genutzt und somit gut zu befahren.

Nach 8 Tagen das erste Mal zur Mittagspause unter einem Baum sitzen und den Schatten genießen, hat schon was. Dies ist aber nur in unmittelbarer Nähe des Tamir Gol so. Darum beschließe ich mein Zelt für die Nacht am Fluss aufzuschlagen und erst morgen weiter nach Tzetzerleg zu fahren.

Ich bin gerade beim Zeltaufbau, da kommen ein Mann und eine Frau zum Wäsche waschen an den Fluss. Wäsche hat dann natürlich (das Wort natürlich gibt bestimmt Ärger!), die Frau gewaschen. Der Mann kommt zum Smalltalk zu mir.

Ich hole zu besseren Verständigung meinen Reiseführer heraus. Dieser enthält 4 Seiten mit Wörtern in kyrillischer Schrift. Man glaubt ja nicht, dass man sich damit fast 2 Stunden beschäftigen kann.

Nach dem Studieren der paar Vokabeln lädt mich der Mann in Ihre Jurte ein. Nebenan in einer zweiten Jurte wohnen der Vater, die Mutter und ein kleiner Bruder von Ihm, welche die kleine Kaffeerunde komplett machten. Es gibt Milchtee (schwarzer Tee mit Zucker und Schafmilch) und Aaruul (ungesalzener Hartkäse).
Danach wird noch der Wodka hervorgeholt. Nach der zweiten Runde versuche ich zu erklären, dass dies für mich genug sei. Der Mutter ist das aber egal. Sie meint (zeigt) nur, Mongolen trinken immer mindestens 3 Runden.

Danach ruft die landwirtschaftliche Pflicht der Familie. Die Schafe müssen gemolken werden und da ich dabei eh nicht helfen kann, wird mir ein Pferd in die Hand gedrückt und ich reite mit dem kleinen Bruder eine Runde um den "Block".

So vergeht der Nachmittag wie im Fluge und zurück am Zelt ist es schon fast dunkel.