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03-07-2009 - Eine Seefahrt die ist...

Puerto Limon - Antwerpen

...mal was anderes und zugleich auch das Ende meiner Tour!
Und, da sitzt man nun am Pier und schaut auf das Schiff welches einen zurück bringen wird, dahin wo man vor gut 20 Monaten hergekommen ist, zumindest in die Nähe davon.
Man versucht über das Erlebte nachzudenken, ein Resümee zu ziehen. Doch es funktioniert nicht recht. Man ist ja noch unterwegs und alles ist immer noch so wie es die letzten 584 Tage auch immer war, irgendwie Normal...

Am Anfang der Reise hätte ich nicht gedacht das ich die Rückreise mit einem Schiff antrete. Als ich mich aber so langsam entscheiden musste ob Flugzeug oder Schiff war mir die Variante Schiff viel sympathischer.
Der ausschlaggebende Punkt war wohl die Langsamkeit. Mit 20 Knoten über das Meer zu schippern kommt der Geschwindigkeit des Radelns schon sehr nahe. Auch bekommt man mal eine Vorstellung wie viel Wasser es zwischen 2 Kontinenten gibt. Mit dem Flugzeug bekommt man das kaum mit.
Ein weiterer interessanter Punkt war, das man sich auf dem kompletten Schiff frei bewegen konnte. Also auch mal hinter die "Kulissen" schauen durfte. Frag mal auf einem Flug den Piloten, wenn man überhaupt die Chance hätte den zu treffen, ob er Dir das Flugzeug erklärt bzw. zeigt.

Eine kleine Geschichte gab es vor dem einchecken auf dem Schiff dann aber doch noch, welche mich anfangs etwas grübeln lies. Man wollte doch tatsächlich für mein Fahrrad "Exportpapiere" haben bzw. ich sollte mir welche ausstellen lassen. Natürlich sollte dieses Papier auch was kosten und das Beste ist, keiner konnte mir sagen wie dieses Stück Papier aussehen soll, Super!! Diese 2 Aspekte lassen einem dann aber schnell zu dem Entschluss kommen, nee, mach ich nicht. Zu oft hatte ich von anderen Leuten solche Storys gehört. Viel Wind um nichts, man zahlt und am Ende interessiert sich niemand für das teuer bezahlte Objekt. Mein Zettel sollte übrigens 50 Dollar kosten.
Da ist es auch wieder gut Spanisch zu können. Kommunikation in einheimischer Sprache regelt viel. Die Agentur, welche meine Papiere für das Schiff ausfertigte hat dann einfach auf den Schein drauf geschrieben "1 Person mit Fahrrad", fertig. Am Ende hat es auch niemanden interessiert das ich auf diesem Papier plötzlich holländischer Staatsbürger war (siehe Schiffspapier)! Ich liebe Lateinamerika...

Als ich an Bord war wurden noch weiter stundenlang unzählige Paletten mit Ananas und Bananen in die Kühlräume verfrachtet. Wenn man sich überlegt, das allein dieses eine Schiff auf einer Fahrt nach Europa gut 6000t Früchte transportiert! Wie viele Tonnen sind das dann wohl insgesamt? Allein von Costa Rica! In Moin können gleichzeitig 4 solcher Schiffe beladen werden.

Am nächsten Tag war dann alles verstaut und es ging los. Nun standen 12 Tage auf offener See vor mir. Zum größten Teil nur Wasser, Wasser und nochmals Wasser. Manch einer mag vor dieser Vorstellung zurück schrecken, aber wenn man schon mal 1000km mit nichts als Pampa, Pampa und nochmals Pampa hinter sich gebracht hat, kann das ja wohl nicht so schrecklich sein! Auf dem Schiff hat man ja genügend Platz sich zu bewegen oder man nimmt sich ein Buch aus der gut ausgestatteten "Bücherei" und macht es sich im Leseraum gemütlich. Diese Beschäftigung wird nur vom 4-stündlichen Rhythmus der Essensaufnahme unterbrochen. Dafür gibt es feste Zeiten, welche strickt einzuhalten sind. Das ist einer der kleinen Unterschiede zu einer "Kreuzfahrt". Auf einem Frachtschiff ist man in gewisser Weise nichts anderes als ein Crewmitglied, nur eben ohne Aufgaben. Somit hält man sich auch an den normalen Ablauf an Bord. Es gibt kein extra Gourmet Restaurant oder Animation und "Halli Galli" für die Passagiere. Letzteres würde mich, glaube ich, auch von einer Kreuzfahrt abhalten. Übermäßigen Luxus hat das Schiff nicht zu bieten, ist halt für den Transport von Gütern gedacht. Die Ausstattung der Kabine war aber durchaus komfortabel. Auch gab es einen kleinen Swimmingpool, einen kleinen Fitnessraum und eine Sauna. Was braucht man mehr.
Und, was will man mehr, als an Deck im Sonnenstuhl dem Sonnenuntergang zu zu schauen. Da braucht es kein Kino oder Fernsehprogramm. Manfred, der andere Passagier an Bord, hatte dazu einen, wie ich finde, guten Spruch. Wenn man Ihn fragte ob es nicht langweilig sei nur an Deck zu sitzen und aufs Meer zu schauen sagte er, "Nein, jede Welle ist doch anders". Wie wahr!! Nur all zu oft geht in unserer so hektischen Welt der Blick für Details verloren.

Von der 25 Mann starken Crew bekam man kaum jemanden zu Gesicht. Mal abgesehen von den Offizieren auf der Brücke war der Rest der Truppe damit beschäftigt den Kahn am laufen zu halten. Manch Matrose verbringt seinen kompletten Arbeitstag im Maschinenraum. Nicht nur das es dort unsagbar laut ist, auch die Temperaturen sind Spitze. Vor allem wenn das Schiff in der Karibik vor Anker liegt. 60°C sind da normal. Sauna ist nichts dagegen. Zu den Mahlzeiten traf man auch nur die Offiziere, da die Messen nach Matrosen und Offizieren getrennt sind und die Passagiere bei den Offizieren essen.
Die komplette Crew kam aus dem russischen Sprachraum. Die meisten davon aus der Ukraine. Schade nur das von meinem Schulrussich rein gar nichts mehr übrig war. So hielten sich die Gespräche leider recht in Grenzen bzw. man versuchte es auf Englisch.

Wenn man einige Zeit an Bord ist bekommt man auch einen kleinen Einblick wie das Schiff so verwaltet wird bzw. wem es eigentlich gehört. Mein Ticket hatte ich bei der Hornline gebucht und so dachte ich auch das denen das Schiff gehört. So war es vor langer Zeit auch mal. Mittlerweile sieht es anders aus. Das Schiff gehört jetzt "Del Monte", ja genau die. Sicherlich hast auch Du schon mal einen "Del Monte" Aufkleber von einer Banane gepult. Da die jetzt aber von Schiffen rein gar keine Ahnung haben gibt es eine weitere Firma, welche sich darum kümmert das sich das Schiff bewegt bzw. bewegt wird. Will heissen die kümmern sich auch ums Personal. Zu guter letzt mietet sich Hornline wieder die Kabinen, da man dort nun mal kein Obst einlagern kann.
Wenn man nun dieses Konstrukt kennt, weis man auch das die Zeiten vorbei sind wo man in den Hafen gehen, mit den Kapitän reden, und vielleicht eine Mitfahrt gegen Arbeiten an Bord ergattern konnte. Bei kleinen privaten Schiffen mag dies mit viel Glück noch funktionieren. Bei großen Handelsschiffen ist dies aber aussichtslos.

So vergingen die Tage an Bord doch recht schnell und ruhig. Stürme blieben aus und so war auch das allgemeine Wohlbefinden auf der ganzen Fahrt gut.
Wir passierten die Azoren und steuerten weiter in Richtung Dover. Dort war auch der einzige Zwischenstopp bevor es nach Antwerpen ging. In Dover hatten wir einen halben Tag Zeit. So besichtigten wir das Castle auf und in den berühmten weißen Klippen.
Am nächsten Tag erreichten wir gegen 15 Uhr den Anlegeplatz im alten Hafen von Antwerpen. Ich packte meine Taschen wieder ans Rad und radelte aus dem Hafen. Willkommen in Europa.

Es ist Anfang Juli und das Zuhause ist in Richtung Osten Luftlinie gut 650km entfernt.
Was macht man also? Richtig, man fährt nach Norden, logisch oder? Warum und weshalb, das werde ich in einem weiteren Bericht beschreiben. Dies gehört aber nicht mehr zur eigentlichen Südamerika Reise. Deshalb wird es den Bericht zu Europa an einer anderen Stelle auf dieser Homepage geben.

Und somit, ist diese Reise hier zu Ende.
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